Wie Hamburg sich den Freibrief zur Vorherrschaft auf der Elbe selbst ausstellte
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Im ausgehenden Mittelalter kämpfte Hamburg mit allen Mitteln um die Oberherrschaft auf der Elbe. Neben kriegerischen Auseinandersetzungen mit Konkurrenten wie der Hansestadt Stade griffen die Hamburger auch zu einem ungewöhnlichen Mittel: Sie stellten sich kurzerhand selbst einen Freibrief aus.

Der gefälschte Barbarossa-Freibrief
Um sich gegen das Stapelrecht Stades durchzusetzen, das Hamburgs Handel bedrohte, fälschten die Hamburger einen Freibrief. Dieser war angeblich von Kaiser Barbarossa ausgestellt worden und gewährte Hamburg weitreichende Privilegien, darunter Zollfreiheit auf der Elbe.
Obwohl die Urkunde formale Fehler und ein falsches Siegel aufwies, gelang es den Hamburgern durch geschicktes Vorgehen, den Freibrief als echt anerkennen zu lassen. Stade verlor daraufhin sein Stapelrecht und Hamburg konnte seine Position auf der Elbe ausbauen.
Weitere kaiserliche Privilegien
Auch spätere Kaiser statteten Hamburg mit Privilegien aus. Karl IV. machte die Stadt 1365 rechtlich zur Ordnungsmacht auf der Elbe, um den Handel über Hamburg zu lenken. Die Hamburger nutzten diese Rechte, um ihr Stapelrecht gegen Widerstände anderer Elbanrainer durchzusetzen.
Streit um die Süderelbe
Besonders mit den Herzögen von Harburg lag Hamburg lange im Clinch. Diese bestritten Hamburgs Hoheit über die Süderelbe. Durch wasserbauliche Maßnahmen wie den "Neuen Graben" durch den Grasbrook schwächte Hamburg die Süderelbe, bis der Herzog 1611 nachgab. Ein Gerichtsurteil von 1619, das die Süderelbe zum freien Gewässer erklärte, ignorierte Hamburg einfach.
Auseinandersetzungen mit Dänemark
Auch mit dem dänischen König Christian IV., der von der Vorherrschaft auf der Unterelbe träumte, lag Hamburg über Jahrzehnte im Streit. Weder wirtschaftlich durch Zölle noch militärisch konnte Dänemark Hamburg bezwingen. 1768 erkannte es im Gottorper Vergleich Hamburgs Status als Freie Reichsstadt an. Hamburg erhielt dafür die Elbinseln bis Finkenwerder - den Grundstein für den späteren Hafen.
Mit Beharrlichkeit, Geschick und teils zweifelhaften Mitteln hatte sich Hamburg so über die Jahrhunderte die Vorherrschaft auf der Elbe erkämpft und den Grundstein für seinen Aufstieg zur Handelsmetropole gelegt.